La Paz
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Album Created: March, 04th 2008 Last Change: April, 28th 2009
Entering Bolivia
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Album Created: March, 04th 2008 Last Change: April, 28th 2009
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Bolivien
Bolivien!
Mit Paraguay zusammen das aermste Land auf dem suedamerikanischen Kontinent. Wenn Paraguay schon anders war, dann ist Bolivien... nochmal anders mehr.
An der Grenze, die wir diesmal zu Fuss passieren mussten, standen tausende Menschen an, alle Frauen in typischer Indiotracht mit Hueten, Roecken, Decken usw. gekleidet und alles roch sehr nach ...
Mensch.
Es ist nicht boese gemeint, aber es stinkt hier echt und Busfahren, zumal 'ne Nachtfahrt, ist kein Spass neben unzaehligen Haendlern und Frauen mit Babys.
Aber dazu faehrt man weg. Ich find's auch nicht so belastend, wie es vielleicht erscheint, es ist eben auffaellig. Ansonsten gibt's hier scheinbar keine Supermaerkte mehr, nur noch von Indiofrauen betriebene Strassenstaende, an denen es alles gibt, vom Mittagessen bis zu Toilettenartikeln.
Wenn man sich die Geschichte von Bolivien, aber auch Peru, anschaut, treten die 'Probleme' Kolonialzeit, Globalisierung, Kapitalismus und Sozialismus quasi in Idealgestalt auf. Wie in allen Kolonien bildete sich in Bolivien eine wohlhabende Oberschicht heraus, aus in diesem Fall v.a. spanischen Einwanderern, die alles besass und das grosse Geld machte. Aus diesen Kreisen gingen, wie in ganz Suedamerika, dann auch die Unabhaengigkeitsbestrebungen hervor, die natuerlich nicht das Wohl des Volkes, sondern die Unabhaengigkeit der reichen Eliten vom ehemaligen Mutterland zum Ziel haten. Eine weitere wichtige Ausgangsbedingung fuer heutiges Elend ist die von fast allen Kolonialmaechten verfolgte Strategie, die Kolonien mit ihren vielen Rohstoffen lediglich auszubeuten, diese aber nicht zu Wohlstand und damit zu Macht und Eigeninteresse kommen zu lassen. Das geschah indem die industrielle Entwicklung voellig unterdrueckt wurde und so nicht mal die landeseigenen Produkte vor Ort weiterverarbeitet werden konnten, geschweige denn, dass sich eine eigenstaendige Wirtschaft entwickeln konnte. Fortan verliessen sich suedamerikanische Regierungen immer auf ihre Rohstoffe und wenn diese versiegten oder der Weltmarkpreis fiel, war's aus. Zwar gab es immer wieder Ansaetze fuer eine importsubstituierende Industrie, allerdings klappte das nie, weil dann immer an anderen Ecken das Geld fehlte und die naechste Regierung wieder auf Rohstoffe setzte, um Haushaltsloecher zu stopfen.
Hier ein kleiner Exkurs:
Die Regierungen von Bolivien und auch Peru wechselten auch fuer entwicklungslaenderische Verhaeltnisse ungewoehnlich oft. Mal waren es reiche Industrielle, mal Generaele, mal Sozialisten, die allesamt versagten. Meistens waren es Diktatoren, manchmal demokratisch gewaehlte Entscheidungstraeger. Mit ihnen wechselten fortwaehrend kapitalistische und sozialistische Konzepte.
Kapitalistische Regierungen versuchten, mittels Sparmassnahmen, oft im sozialen Bereich, einer exportgestuetzten Wirtschaft, da die Geldgeber ja Hacienda- und Mienenbesitzer waren und ihren Schissl auch loswerden mussten und einer Liberalisierung der Wirtschaft und des finanziellen Sektores, also der Oeffnung des Marktes fuer auslaendische Investoren, die Geschicke positiv zu lenken.
Natuerlich ging dies stets schief, da die grosse Masse der Bevoelkerung, bei denen meist noch gespart wurde, nix vom Geldsegen hatte und deswegen auf die Barikaden ging.
Verfolgte jedoch eine Regierung eher sozialistische Konzepte, ging das genauso schief. Erstens existierte keine eigenstaendige Wirtschaft, alle Gewinne erzeugte also immer vor allem die Oberschicht, die somit absolute Macht und kein Interesse an Veraenderung besass. Allerdings fuehrte auch die Verstaatlichung von Betrieben zu Inneffizienz, die Wirtschaft insgesamt wurde beschraenkt und konnte sich nicht entwickeln und Profite erwirtschaften, teilweise schwachsinnige, kurzfristige Sozialmassnahmen waren wichtiger, verursachten jedoch Schulden, da es ja kein Geld gab. Es wurde nie langfristig investiert und wenn Planwirtschaft alles regelt, dann unterbleiben Investition und Expansion und den Leuten geht es nicht besser. Meistens lag nach solchen Perioden die Wirtschaft voellig am Boden und die Inflation erledigte den Rest.
Linke Regierungen hatten also durchaus mehr Sinn fuer die Belange der Armen, sie beraubten sich jedoch der Mittel entsprechende Massnahmen zu finanzieren. Man muss sagen, dass die Laender dann Geld hatten, wenn sie liberale Modelle verfolgten, nur gaben sie es dann nicht sinnvoll und ethisch korrekt aus.
Also
Kapitalismus ist nicht verkehrt, aber die Kapitalisten selbst sind scheisse. Anstatt mit dem Geld langfristige Massnahmen im Gesundheits- und Bildungswesen zu finanzieren, anstatt in die Entwicklung eines von den Rohstoffen unabhaengigen industriellen Sektors zu investieren, ging und geht es ihnen immer nur um die Mehrung ihres Besitzes, die Arbeiter werden noch mehr ausgenutzt und die Rohstoffe noch intensiver und bekloppter abgebaut.
Sozialistische Konzepte unterbinden hingegen die Eigenverantwortung und damit die innovative Aktivitaet der Individuen. Wenn man Oelvorkommen verstaatlicht, ist das gerecht, aber wenn man alles verstaatlicht, hat keiner mehr Interesse an Progress. Ohne Geld von aussen und ohne freien Markt kriecht man im eigenen Saft und der wird schnell schlecht. Handel war immer schon grenzuebrschreitend.
So ist also rein wirtschaftlich ein moderater Kapitalismus durchaus das richtige Mittel, um Armut zu besiegen.
Leider scheint aber genau dieser Kapitalismus, in dem er dem Menschen eigenverantwortliches, freies Handeln gestattet, als Katalysator fuer Selbstsucht und Egoismus zu dienen. Indem die menschliche Natur frei nach Profit streben kann, zeigt sie ihr wahres Gesicht und Diejenigen, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren, nutzen die ihnen gebotene Chance nur noch fuer sich selbst. Das haben natuerlich alle Marxisten und Sozialisten erkannt und zu bannen versucht, aber, neben der Tatsache, dass dies eine traurige anthropologische Einsicht impliziert, Protektionismus und Planfesseln sind eben keine ordentliche Alternative im Sinne des allgemeinen Wohlstandes.
Wat nun?
Es gaebe schon diverse Mittelwege, aber denen stehen nach wie vor die alten Eliten und ein leicht zur Fuehrungsabhaengigkeit neigender lateinamerikanischer Habitus im Wege.
Also hatte Che Guevara Recht?
Fragt den Papst, der muss Kraft seines Amtes 'ne Antwort haben!